{"id":72918,"date":"2016-07-25T15:55:43","date_gmt":"2016-07-25T13:55:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.apfelpage.de\/?p=72918"},"modified":"2016-07-25T19:53:52","modified_gmt":"2016-07-25T17:53:52","slug":"wie-apple-die-google-und-die-online-werbung-vernichten-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.apfelpage.de\/news\/wie-apple-die-google-und-die-online-werbung-vernichten-koennte\/","title":{"rendered":"Wie Apple Google und der Online-Werbung schaden k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"

Google ist f\u00fcr viele ein unumst\u00f6\u00dflicher K\u00f6nig auf dem Schachbrett des Internets. Doch auch die gr\u00f6\u00dften der Branche m\u00fcssen ihr Kerngesch\u00e4ft fortw\u00e4hrend verteidigen und die n\u00e4chsten Z\u00fcge ihrer Gegner absch\u00e4tzen, wenn sie langfristig bestehen wollen. Oft verschleiern verwirrende Gesch\u00e4ftsbeziehungen die zugrunde liegenden Strategien der Unternehmen, doch Apples Absicht, Googles Haupteinnahmequelle abzudrehen, ist ziemlich klar, wie Cyrus Radfar auf TechCrunch<\/a>\u00a0analysierte.<\/p>\n

Seiner Meinung nach er\u00f6ffnet sich gerade der Blick auf eines der spannendsten Unternehmens-Schachpartien und Apple ben\u00f6tigt nur noch vier Z\u00fcge, um Googles K\u00f6nig \u2013 die Suche \u2013 Schach zu setzen.<\/p>\n

\"Apple<\/p>\n

Apples „Such-Steuer“<\/h2>\n

Das Unternehmen Oracle klagt schon seit Jahren um eine Gewinnbeteiligung an Googles Mobil-Betriebssystem Android. Hintergrund: Der Suchmaschinengigant soll Oracles Open-Source-Programmiersprache Java f\u00fcr die Entwicklung verwendet haben. Im Rahmen dieses Prozesses sind zu Beginn des Jahres Informationen bekannt geworden, die Google lieber unter Verschluss gehalten h\u00e4tte. Demnach zahlt Google j\u00e4hrlich \u00fcber eine Milliarde US-Dollar\u00a0an Apple<\/a> um die Standard-Suchmaschine in Apples Safari-Browser zu bleiben. Zus\u00e4tzlich erh\u00e4lt Apple vermutlich eine Umsatzbeteiligung von 34 Prozent.<\/p>\n

Das klingt viel, doch Radfar rechnet gegen:
\nInzwischen stammt
\u00fcber die H\u00e4lfte<\/a>\u00a0der Suchanfragen von Mobilger\u00e4ten \u2013 Tendenz steigend. Unter Berufung auf Berichte an die US-B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde sch\u00e4tzte Goldman Sachs<\/a>\u00a0den Umsatz aus der mobilen Suche im vergangenen Jahr auf rund 11,8 Milliarden Dollar. 75 Prozent davon \u2013 also etwa 8,85 Milliarden Dollar sollen dabei auf iOS-Ger\u00e4te entfallen. Der Gro\u00dfteil der iOS-Nutzer d\u00fcrfte dabei auf den Safari-Browser setzen. Geht man davon aus, dass die H\u00e4lfte der iOS-Nutzer Google deshalb verwendet, weil es der Standard-Suchanbieter in Safari ist, dann betr\u00e4gt der Wert dieses Deals f\u00fcr Google noch immer 4,4 Milliarden Dollar.<\/p>\n

In Verbindung mit der Gewinnbeteiligung gewinnt Apple also \u00fcber 4 Milliarden Dollar damit, die vermutlich beste Such-L\u00f6sung als Standard anzubieten. Das sind mehr als 6 Prozent von Googles Gesamt-Umsatz im Jahr 2014 in H\u00f6he von rund 66 Milliarden Dollar. Apples Werbebudget lag in dem Jahr bei nur einer Milliarde und stiegt 2015 auf 1,8 Milliarden. Man k\u00f6nnte also sagen, Google finanziert Apples Marketing, so wie die Tabaksteuer Anti-Rauch-Kampagnen finanziert.<\/p>\n

Apple steht f\u00fcr<\/em> Privatsph\u00e4re und gegen<\/em> gezielte Werbung<\/h2>\n

\"Apple<\/p>\n

Apple verfolgt eine eindeutig andere Philosophie, als die zumeist werbefinanzierte Konkurrenz. Tim Cook fasst dies in der \u00f6ffentlichen Datenschutz-Erkl\u00e4rung<\/a>\u00a0wie folgt zusammen:<\/p>\n

\u201eUnser Gesch\u00e4ftsmodell ist sehr geradlinig: wir verkaufen gro\u00dfartige Produkte und erstellen keine Profile, basieren auf dem E-Mails-Inhalt oder dem Online-Suchverhalten unserer Kunden, um diese anschlie\u00dfend an Werbetreibende zu verkaufen. [\u2026] Unsere Software und Services wurden konzipiert, um unsere Ger\u00e4te besser zu machen. Klar und einfach.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n

Damit schie\u00dft er direkt gegen alle werbefinanzierten Unternehmen, wie Google, Facebook oder auch Twitter. In Googles Ideal von der Zukunft, sind Ger\u00e4te fast vollst\u00e4ndig auf die Cloud angewiesen. Die Verarbeitung von Daten in der leistungsstarken Cloud<\/a>\u00a0machen enorme Leistungen auch auf schmalbr\u00fcstigen, g\u00fcnstigen Ger\u00e4ten m\u00f6glich, doch sie setzen auch eine sehr gute Internetverbindung und enormes Vertrauen in die Sicherheit der Daten voraus.
\nApple ist der gr\u00f6\u00dfte Widersacher auf diesem Gebiet. Das Unternehmen betont bei jeder Gelegenheit, dass die lokale Datenverarbeitung privat und sicher ist. Die lokale Speicherung der Fingerabdr\u00fccke f\u00fcr TouchID ist beispielhaft f\u00fcr dieses Vorgehen, doch auch bei der Vorstellung der Gesichtserkennung, auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC im vergangenen Monat, wurde der Fokus erneut auf die lokale Verarbeitung gesetzt.<\/p>\n

Universelle Suche gegen Spezialisten<\/h2>\n

\"Google-Suche<\/p>\n

Google versucht, m\u00f6glichst viele Suchanfragen zu erhalten. So wundert es kaum, dass die Suchleiste auf Android-Telefonen prominent \u00fcber allem anderen thront und auch der Sprachassistent auf Google setzt. In Chrome und anderen Browsern ist Google au\u00dferdem die Standard-Suche bei Eingaben innerhalb der Adresszeile. In den vergangenen 18 Jahren hat es die Nummer eins perfektioniert, die Intenton des Suchenden zu erraten: Sucht jemand beispielsweise erst nach „Tesla“ und anschlie\u00dfend nach „Jaguar“, erh\u00e4lt er auf seine zweite Anfrage mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit Ergebnisse, die sich auf den Auto-Hersteller beziehen und nicht auf das Tier.<\/p>\n

Doch die Nutzer verlassen sich immer weniger auf den allwissenden Helfer. Vertikale Suchanfragen bei kontextabh\u00e4ngigen Spezialisten nehmen hingegen stetig zu: Video-Tutorials sucht man direkt auf YouTube, Produkte auf Amazon<\/a>, Personen auf Facebook und Restaurants auf yelp.<\/p>\n

Die vier Z\u00fcge<\/h2>\n

Die Zukunft eines Produktes oder einer Firma l\u00e4sst sich leicht vorhersehen, wenn es um die konsequente Weiterentwicklung des Produktes oder einen bedeutenden Funktionsunterschied zu einem Konkurrenten geht. In Apples Fall ist die Frage laut Radfar nicht was, sondern eher wann.<\/p>\n

Erster Zug: Apple Pay in the Web<\/h3>\n

\"apple<\/p>\n

Auf der WWDC 2016 hat Apple bereits den ersten Schritt getan und angek\u00fcndigt, dass Apple Pay ab Herbst Kurs auf’s Neuland nimmt. Es ist anzunehmen, dass die Funktion aus Datenschutzgr\u00fcnden nur im Safari Browser verf\u00fcgbar sein wird. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal k\u00f6nnte Safari zum ersten Mal Marktanteile von Chrome gewinnen.<\/p>\n

Zweiter Zug: Single Sign-On<\/h3>\n

Doch auf der WWDC deutete dich noch ein zweiter Schachzug an: Die Zahl der Video-Kan\u00e4le auf dem Apple TV der vierten Generation ist von der Pr\u00e4sentation bis zur WWDC \u2013 also in unter einem Jahr \u2013 von anfangs 80 auf nun 1.300 gestiegen. Das klingt erstmal toll, bis man sich vorstellt, sich bei jedem davon einzeln einzuloggen, um Zugang zu den Inhalten zu bekommen \u2013 eine nicht zu untersch\u00e4tzende Eintrittsschranke. Apple stellte daher Single Sign-On (SSO)<\/a>\u00a0vor \u2013 eine Funktion, die alle Zug\u00e4nge b\u00fcndelt, sodass man sich nur noch ein Mal auf seinem Apple TV anmelden muss.<\/p>\n

Gleichzeitig wurden viele Funktionen, wie der Messenger, Apples Maps und Siri f\u00fcr Entwickler ge\u00f6ffnet. Apple hat verstanden, dass die eigenen Services noch besser werden k\u00f6nnen, wenn Entwicklern die Werkzeuge dazu zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/p>\n

\"touchid\"<\/p>\n

In Zukunft k\u00f6nnte Apple SSO auch auf iOS migrieren und folglich auch mit dem Internet verbinden. Damit k\u00f6nnte Apple TouchID ins Web bringen und w\u00e4re nicht nur ein ernstzunehmender Konkurrent zum Login mit Facebook oder Google. Das Feature k\u00f6nnte auch die Nutzung des Safari-Browsers f\u00fcr eine sichere Nutzung voraussetzen und Chrome damit weitere Marktanteile abringen.<\/p>\n

Dritter Zug: Neue Sprachkommandos f\u00fcr Siri<\/h3>\n

\"Siri\"<\/p>\n

Neue Sprachkommandos f\u00fcr Siri wurden uns auf der WWDC ebenfalls pr\u00e4sentiert. Zun\u00e4chst werden nur Anbieter aus den Bereichen, Nachrichten-Versand, Fahrzeug-Buchung, Training, Bezahlmethoden und Foto-Suche sowie die Regulierung der Temperatur f\u00fcr HomeKit und die Steuerung des Radios f\u00fcr CarPlay erg\u00e4nzt \u2013 Bereiche, die Google eher weniger betreffen d\u00fcrften. Doch bald k\u00f6nnte Apple auch andere Bereiche erg\u00e4nzen, die Google st\u00e4rker zusetzen d\u00fcrften \u2013 insbesondere deshalb, weil sie vertikale Suchen vereinfachen:<\/p>\n